CEPHALGIE
Teil 1
Der Begriff "Cephalgie" setzt sich aus
den Wortteilen cephal (= Kop f) und algi (=
Schmerzhaftigkeit) zusammen, also ein Synonym
(= andere Bezeichnung mit gleicher Bedeutung)
für den Kop fschmerz.
Eine chronische
Cephalgie ist in besonderem Maße
geeignet, das körperliche Allgemeinbefinden beträchtlich zu stören. Diagnostik
und Therapie einer Cephalgie werden allerdings durch die Vielzahl
möglicher Ursachen erschwert, hinzu kommt, daß das Beschwerdebild nicht
einheitlich ist, sondern in den verschiedensten Variationen auftritt. Von
eminenter Bedeutung ist deshalb bei
Cephalgie eine genaue Anamnese
(= Erhebung der
Vorgeschichte). Diese erlaubt nicht
nur eine exakte Klassifikation (= Bestimmung der Kopfschmerzart),
sondern kann Hinweise auf mögliche organische Ursachen geben und ist dann
richtungsweisend für weiterführende Untersuchungen. Es empfiehlt sich, auch bei
Patienten mit einer Cephalgie einen standardisierten Fragebogen zu
verwenden, um möglichst alle Kriterien zu erfassen. Lokalisation, Dauer und
Häufigkeit von Kop
fschmerzen sowie Angaben zur Schmerzqualität sind genau zu erfragen. Für
die Therapie kann die Kenntnis spezifischer Auslösesituationen oder- mechanismen
von großem Wert sein. Dazu gehört auch die Frage nach bisherigen erfolglosen
Therapieversuchen. Der Patient ist zu Recht enttäuscht, wenn ihm Methoden, die
ihm bisher keine Erleichterung brachten, noch einmal angeboten werden.
Erfolg oder Mißerfolg einer Cephalgie -Therapie wird, besonders bei
Prophylaxeversuchen
(= Versuche zur Vorbeugung), erst durch Dokumentation aller
Kopfschmerzereignisse über einen längeren Zeitraum (Kopfschmerz
-Tagebuch) beurteilbar. Wichtig ist auch die Erhebung einer biographischen
Anamnese (= Erhebung
der Vorgeschichte unter psychosozialen Aspekten),
um den Einfluß psychischer Belastungen auf die Cephalgie im Sinne einer
Beschwerdeverstärkung oder gar -auslösung beurteilen zu können.
Die internationale Kopfschmerzgesellschaft definiert 176 verschiedene Cephalgie -Formen, jedoch können 90% aller Kopfschmerzen zwei Formen zugeordnet werden, der Migräne und dem Spannun gskopfschmerz.
Systematik (= Einteilung) der verschiedenen Cephalgie-Formen:
| 1. Primäre Cephalgie |
| 1.1 Migräne |
| - ohne Aura |
| - mit Aura |
| - andere Cephalgie-Formen |
|
1.2
Kopfschmerz vom Spannungstyp
(Spannungskopfschmerz) 1.3 Trigeminoautonome Kopfschmerzen (Cluster-Kopfschmerz, paroxysmale Hemikranie und SUNCT-Syndrom) |
| 1.4 Andere primäre Kopfschmerzen |
| - Hemicrania continua |
| - neu aufgetretener Dauerkopfschmerz (engl.: new daily persistent headache) |
| - Zervikogene Kopfschmerzen (vertebragene Kopfschmerzen) |
| - Okzipitalneuralgie, |
| - Raeder-Syndrom |
| - Neck-tongue-Syndrom |
| 2. Sekundäre oder symptomatische Cephalgie |
| - Kop fschmerz als (zunächst) einziges Symptom |
| - Kop fschmerz als Begleitsymptom |
| 3. Kombinationskop fschmerz (kombinierte Cephalgie) |
| - Mig räne und Spannungskopfschmerzen |
| - Mig räne und Ergotamin-Kopfschmerzen |
| - Spannungs- und Schmerzmittel-Kopfschmerz |
| - andere Kombinationen |
1. Primäre Cephalgie:
Dieser Begriff bezeichnet eine Cephalgie, die nicht als Krankheitszeichen auf eine faßbare organische oder psychische Grundkrankheit zurückzuführen ist. Sie gilt als eigenständige Schmerzkrankheit, die im Gegensatz zur symptomatischen (= als Folge einer bekannten Krankheit auftretender) Cephalgie nicht kausal (= ursächlich, gegen die Grundkrankheit gerichtet) behandelt werden kann (Soyka 1989).
1.1 Migräne:
Bei der Migräne tritt in typischer Weise ein anfallsartiger,
bevorzugt
Halbseitenkopfschmerz (Hemicrania) auf, begleitet
von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Darüber
hinaus kann es zu Ner ven- und Sehstörungen kommen. Fast regelmäßig wird die
Schmerzqualität als pulsierend, pochend und hämmernd angegeben. Ätiologie (=
Krankheitsursache) und Pathogenese (=
Krankheitsentwicklung) sind letztlich noch nicht
sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988 gibt es hauptsächlich
zwei Gruppen: Migräne mit und ohne Aura. Die frühere Einteilung in
einfache, klassische und komplizierte Migräne wurde aufgegeben.
Die einzelnen Migräne -Typen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel 1994) sind:
| - Migräne ohne Aura |
| - Migräne mit Aura |
| - Migräne mit typischer Aura |
| - Migräne mit prolongierter Aura |
| - Familiäre hemiplegische Aura |
| - Basilarismigräne |
| - Migräneaura ohne Kop fschmerz |
| - Migräne mit akutem Aurabeginn |
| - Ophthalmoplegische Migräne |
| - Retinale Migräne |
| - Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
| Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Migräne |
| - Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
| - Alternierende Hemiplegie in der Kindheit |
| - Migräne -Komplikationen: |
| Status migraenosus |
| Migränöser Infarkt |
| - Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der Migräne -Kopfschmerzarten ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen folgen:
Behand
lung bei Mig
räne:
Zunächst muß der Patient eingehend
über die
Migräneerkrankung
aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf
anamnestisch (= aus
der Vorgeschichte) eruierte
auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders
eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so
z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst
Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von Streßsituationen.
Behand
lung des akuten Migräneanfalls:
Ganz wichtig ist der Hinweis, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel) möglichst
frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten, bis das
Vollbild des Mig
ränekopfschmerz
es eingetreten ist, sondern die Medikamenteneinnahme soll schon bei den
ersten Anzeichen erfolgen. Als Mittel der ersten Wahl gilt noch immer die
Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS)(z.B. Aspirinâ
) 1-1,5 g. Bei ungenügender Wirkung von ASS empfiehlt sich ein Versuch mit
Paracetamol (z.B. ben-u-ronâ
), 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder Zäpfchen). Nichtsteroidale
Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen) sind gegen den Mig
ränekopfschmerz ebenso wirksam wie ASS
bei vergleichbarer oder geringerer Nebenwirkungsrate. Bewährt hat sich bei einem
stärkeren
Migränekopfschmerz
auch die Kombination von 1g ASS mit 1g Paracetamol. Auch ein Therapieversuch mit
Metamizol (z.B. Novalginâ)
ist manchmal lohnend.
Ein potentes Therapeutikum beim Mig
ränekopfschmerz ist der Serotoninagonist
(= Mittel, das dem Gewebshormon
Serotonin entgegenwirkt)
Sumatriptan (Imigran®). Initiale Dosierung : 100mg zum Einnehmen oder 6mg
unter die Haut gespitzt. Bei Wiederauftreten von
Migränekopfschmerzen
maximal zwei Verabreichungen in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende
Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der
Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und Verträglichkeit
jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen 1993). Wegen des
relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für andere Triptane)
allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Mig
ränemittel nicht den gewünschten Erfolg
bringen.
Zwischenzeitlich gibt es weitere Triptane: Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,)
Naratriptan (Naramig®), Rizatriptan (Maxalt®),
Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan (Allegro®) und seit 2002
Eletriptan (Relpax®). Zur Behandlung der hemiplegischen, ophthalmoplegischen
oder
Basilaris-Migräne
sind Triptane allerdings nicht geeignet.
Ergotaminpräparate
sind klassische
Migränemittel zur
Kupierung eines
Migräneanfall
s, wegen der möglichen Nebenwirkungen jedoch nicht ganz
unproblematisch. Die Gefahr einer Gewöhnung und Auslösung eines zusätzlichen
Dauerkopfschmerzes steigt mit zunehmender Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde
sollten pro Woche nicht mehr als 6mg Ergotamintartrat und pro
Migräneattacke
nicht mehr als 4mg eingenommen werden (Göbel, Ensink et. Soyka
1994).
Grundsätzlich gilt auch hier, daß beim
Migränekopfschmerz
die Verwendung von Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat mit Koffein oder
Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.) strikt vermieden werden soll. Auf
dieser Therapiestufe kann auch Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m.
(= in den Mus
kel)
oder ganz langsam i.v.
(= in eine Blutader)
versucht werden (1-1,5mg).
Besonders bei ausgeprägten vegetativen Migränebegleiterscheinungen hat sich die
zusätzliche Gabe von 1-2 mg
Flunitrazepam (Rohypnol®)
(= ein Schlafmittel) sehr bewährt,
auch unter dem Aspekt,
Schmerzmittel
einzusparen, zumal die Patienten in dieser Situation ohnehin das Bedürfnis
haben, sich hinzulegen.
Wird der Mig
ränekopfschmerz von Nausea
(= Übelkeit, Brechreiz)
und Erbrechen begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser
Symptome), ist die Verabreichung von Metoclopramid (Paspertin®) sehr
wirksam, zum Einnehmen oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg.
Metoclopramid sollte nicht an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist
vorteilhaft, diese Substanz vor einem Analgetikum
(= Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die
Resorption (=
Aufnahme im Da
r
m) weiterer verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der
Dopamin-Antagonist Domperidon (Motilium®) verwendet werden, Tabletten oder
Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem separaten Raum innerhalb
einer Praxis, hat sich bei Migräne die Verabreichung einer Infusion (500ml
Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®) kombiniert mit 10mg Metoclopramid (z.B.
Paspertin®) und 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®)
sehr bewährt, bei heftigen
Schmerzen
zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B. Tramal®).
Die Die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika) ist im bereits
voll entwickelten akuten
Kopfschmerzanfall
wenig hilfreich. Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung die Symptomatik
in vielen Fällen abgeschwächt werden, so daß oftmals
Analgetika
(= Schmerzmittel) gar nicht oder in weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen
werden müssen.
Wir blockieren vorzugsweise mit
Bupivacain 0,5% die
Nerven
supraorbitales (= Ner
ven
an der Augenbraue) (je ca. 0,5ml),
occipitales major (=
Ner
ven
am Hinterkop
f) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die
Schläfenregion beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl die
Migränekopfschmerzen
meist nur einseitig auftreten, hat es sich bewährt, diese
Schmerztherapie
nicht nur auf die aktuell betroffene
Kopf
hälfte zu beschränken.
Wenn ein heftiger Mig
ränekopfschmerz gehäuft (mehrmals pro
Woche) auftritt, sind im Rahmen einer stationären Behand
lung schmerzseitige
Blockaden (=
Betäubungen) des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Artet der Kop
fschmerz in einen Status mig
raenosus (= länger als 72h anhaltender Migränean
fall) aus, so ist dies eine Indikation
(= Anzeige) zur
stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl (z.B.
Dominal forte®), sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g Aspisol® und
10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen im Mig
ränekopfschmerzan
fall bestehen in Reizabschirmung (ruhiges
und verdunkeltes Zimmer).
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Aktualisiert: 04.12.2006
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Tendinosen,
Tendomyopathien,
Tendosynovialitis,
Thoraxschmerz,
Torticollis (www.torticollis.at),
Trigeminus,
Trigeminusschmerz,
Tumorleiden,
Tumorpatienten, Tumorschmerzen,
Tunnelsyndrom,
U
Überlastungssyndrom,
Übertragungsschmerz,
Unterbauchschmerz,
Unterkieferschmerzen,
Unterleibsschmerz,
Unterleibschmerzen,
Unterkiefer-Schmerz
V
Vaskulärer
Kopfschmerz,
Vasomotorischer Kopfschmerz,
Venenschmerz (www.venen-schmerz.de),
Venenentzündung (www.venenentzuendung.org),
venöse
Durchblutungsstörungen,
Verschlußkrankheiten,
vertebragener Schmerz,
Vertebralsyndrome,
Virale Arthritis,
Viszeraler Schmerz,
Visceraler Schmerz, Vorfußschmerzen,
Vulvodynie,
W
Wadenschmerz,
Wangenschmerzen,
Weichteilrheuma,
Weichteilrheuma,
chronischer
Weichteilschmerz,
Wirbelsäulenerkrankung (www.wirbelsaeulenerkrankung.com),
Wirbelsäulenschmerz,
Wirbelsäulensyndrome,
Wirbelsäulenverkrümmung,
WS-Schmerz,
Wurzelentzündungen,
Wurzelkompressionssyndrom,
Wurzelneuritis,
Wurzelreizsyndrome,
Wurzelsyndrome,
Z
Zahnschmerz,
Zeckenstich (www.zeckenstich.com),
Zeckeninfektionen,
zentraler Schmerz,
Zeckenkrankheiten (http://www.zeckenkrankheiten.net),
Zervikogener Schmerz,
Zervikozephales Syndrom,
Zoster-Infektion,
Zosterschmerzen,
Zungenschmerz,
Zystalgie,
Zystitis (www.zystitis.net),
Zungenschmerz
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