SCHMERZ IM KOPF
chronischer Schmerz im Kopf
Teil 1
Die verschiedenen Kopfschmerzerkrankungen lassen sich in drei Hauptgruppen unterteilen:
1. Primärer Schmerz im Kopf
2. Sekundärer Schmerz im Kopf
3. Kombinierter Schmerz im Kopf
Zu den einzelnen Kopfschmerzerkrankungen:
1. Primärer Schmerz im Kopf:
Dieser Begriff bezeichnet einen Schmerz im Kopf, der nicht als Krankheitszeichen auf eine faßbare organische oder psychische Grundkrankheit zurückzuführen ist. Er gilt als eigenständige Schmerzkrankheit, die im Gegensatz zum symptomatischen (= als Folge einer bekannten Krankheit auftretender) Schmerz im Kopf nicht kausal (= ursächlich, gegen die Grundkrankheit gerichtet) behandelt werden kann (Soyka 1989).
1.1 Mig
räne:
Bei der Mig
räne
tritt in typischer Weise ein anfallsartiger,
bevorzugt halbseitiger Schmerz im Kopf (Hemikran
ie) auf, begleitet von Übelkeit bis hin
zu Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Darüber hinaus kann es zu Nerven-
und Sehstörungen kommen. Fast regelmäßig wird die Schmerzqualität als
pulsierend, pochend und hämmernd angegeben. Ätiologie
(= Krankheitsursache)
und Pathogenese (= Krankheitsentwicklung)
sind letztlich noch nicht sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988
gibt es hauptsächlich zwei Gruppen: Mig
räne mit und ohne Aura.
Die frühere Einteilung in einfache, klassische und komplizierte Mig
räne wurde aufgegeben.
Die einzelnen Mig räne -Typen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel 1994) sind:
|
- Mig räne ohne Aura |
|
- Mig räne mit Aura |
|
- Mig räne mit typischer Aura |
|
- Mig räne mit prolongierter Aura |
|
- Familiäre hemiplegische Aura |
|
- Basilaris- Mig räne |
|
- Mig räneaura ohne Schmerz im Kopf |
|
- Mig räne mit akutem Aurabeginn |
|
- Ophthalmoplegische Mig räne |
|
- Retinale Mig räne |
|
- Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
|
Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Mig räne |
|
- Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
|
- Alternierende Hemiplegie in der Kindheit |
|
- Mig räne -Komplikationen: |
|
Status migraenosus |
|
Migränöser Infarkt |
|
- Mig räneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der Mig räne-Kopf schmerzarten ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen folgen:
Therapie der Mig
räne:
Zunächst muß der Patient eingehend
über die Mig
räne-Kopf
schmerzerkrankung
aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf
anamnestisch (= aus
der Vorgeschichte) eruierte
auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders
eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so
z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst
Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von Streßsituationen.
Therapie des akuten Mig
räne-Kopf
schmerzanfalls:
Ganz wichtig ist der Hinweis, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel) möglichst
frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten, bis das
Vollbild des Mig
räne
kopf
schmerzes
eingetreten ist, sondern die Medikamenteneinnahme soll schon bei den ersten
Anzeichen erfolgen. Als Mittel der ersten Wahl gilt noch immer die Einnahme von
Acetylsalicylsäure (ASS)(z.B. Aspirinâ
) 1-1,5 g. Bei ungenügender Wirkung von ASS empfiehlt sich ein Versuch mit
Paracetamol (z.B. ben-u-ronâ
), 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder Zäpfchen). Nichtsteroidale
Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen) sind gegen den Mig
räne-Kopf
schmerz ebenso wirksam wie ASS bei vergleichbarer oder geringerer
Nebenwirkungsrate. Bewährt hat sich bei einem stärkeren Schmerz im Kopf auch die
Kombination von 1g ASS mit 1g Paracetamol. Auch ein Therapieversuch mit
Metamizol (z.B. Novalginâ
) ist manchmal lohnend.
Ein potentes Therapeutikum beim migränebedingte Schmerz im Kopf ist der
Serotoninagonist (=
Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
Sumatriptan (Imigran®). Initiale Dosierung : 100mg zum Einnehmen oder 6mg
unter die Haut gespitzt. Bei Wiederauftreten Schmerzes maximal zwei
Verabreichungen in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen
berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann
das Verhältnis von Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen
werden (Tfelt-Hansen 1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte
Sumatriptan (gilt auch für andere Triptane) allerdings erst dann zum Einsatz
kommen, wenn andere Mig
räne -Mittel nicht den gewünschten Erfolg bringen.
Zwischenzeitlich gibt es weitere Triptane: Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,)
Naratriptan (Naramig®), Rizatriptan (Maxalt®),
Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan (Allegro®) und seit 2002
Eletriptan (Relpax®).
Ergotaminpräparate
sind klassische Pharmaka zur Kupierung eines Mig
räneanfalls, wegen der möglichen Nebenwirkungen jedoch nicht ganz
unproblematisch. Die Gefahr einer Gewöhnung und Auslösung eines zusätzlichen
Dauer
kopf
schmerzes
steigt mit zunehmender Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten pro Woche
nicht mehr als 6mg Ergotamintartrat und pro Mig räne -Attacke
nicht mehr als 4mg eingenommen werden (Göbel, Ensink et. Soyka
1994).
Grundsätzlich gilt auch hier, daß beim einem migränebedingten Schmerz im Kopf
die Verwendung von Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat mit Koffein oder
Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.) strikt vermieden werden soll. Auf
dieser Therapiestufe kann auch Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m.
(= in den Muskel) oder ganz langsam
i.v. (= in eine
Blutader) versucht werden (1-1,5mg).
Besonders bei ausgeprägten vegetativen Mig räne
-Begleiterscheinungen hat sich die zusätzliche Gabe von 1-2 mg
Flunitrazepam (Rohypnol®)
(= ein Schlafmittel) sehr bewährt,
auch unter dem Aspekt, Schmerzmittel einzusparen, zumal die Patienten in dieser
Situation ohnehin das Bedürfnis haben, sich hinzulegen.
Wird der migränebedingte Schmerz im Kopf von Nausea
(= Übelkeit, Brechreiz)
und Erbrechen begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser
Symptome), ist die Verabreichung von Metoclopramid (Paspertin®) sehr
wirksam, zum Einnehmen oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg.
Metoclopramid sollte nicht an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist
vorteilhaft, diese Substanz vor einem Analgetikum
(= Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die
Resorption (= Aufnahme im Darm) weiterer verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der
Dopamin-Antagonist Domperidon (Motilium®) verwendet werden, Tabletten oder
Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem separaten Raum innerhalb
einer Praxis, hat sich bei Mig räne die Verabreichung einer
Infusion (500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®) kombiniert mit 10mg
Metoclopramid (z.B. Paspertin®) und 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®) sehr bewährt, bei einem heftigen Schmerz
zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B. Tramal®).
Die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel) ist im bereits voll
entwickelten akuten Kopf
schmerz
anfall
wenig hilfreich. Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung die Symptomatik
in vielen Fällen abgeschwächt werden, so daß oftmals Analgetika
(=
Schmerzmittel) gar nicht oder in
weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen werden müssen.
Wir blockieren vorzugsweise mit
Bupivacain 0,5% die Nerven supraorbitales
(= Nerven an der Augenbraue)
(je ca. 0,5ml), occipitales major
(= Nerven am Hinter-Kopf)
(je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die Schläfenregion
beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl der migränebedingte Schmerz im Kopf
meist nur einseitig auftritt, hat es sich bewährt, diese Behandlung nicht nur
auf die aktuell betroffene Kopf-Hälfte zu beschränken.
Wenn ein heftiger migränebedingter Schmerz im Kopf gehäuft (mehrmals pro Woche)
auftritt, sind im Rahmen einer stationären Behandlung schmerzseitige
Blockaden (=
Betäubungen) des Ganglion stel
latum (= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Artet der migränebedingte Schmerz im Kopf in einen Status migraenosus
(= länger als 72h anhaltender Mig
räneanfall)
aus, so ist dies eine Indikation
(= Anzeige)
zur stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl (z.B.
Dominal forte®), sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g Aspisol® und
10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen im Mig räne-Kopf
schmerzanfall bestehen in Reizabschirmung
(ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Prophylaktische
(= vorbeugende)
Therapie bei migränebedingtenm Schmerz im Kopf:
Nicht immer sind die Patienten
bereit, auch im schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente einzunehmen, so
daß oftmals eine ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine Mig
räne-Kopf
schmerzvorbeugung sollte nur dann
erfolgen, wenn die Mig räneattacken
mindestens zwei mal pro Monat auftreten. Nach Göbel und Soyka
(1994) ist die Indikation auch gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens
zweimal ein Status migraenosus, eine prolongierte
(= verlängerte)
Aura oder einmalig ein migränöser Infarkt
(= Gewebszerstörung in
bestimmten Hirnbereichen infolge von Sauerstoffmangel) aufgetreten sind.
Als Mittel der ersten Wahl gelten Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen Mig räne wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die Mig
räne. Relativ sicher wirken Propanolol und Metoprolol (Diener
1989); beide Substanzen werden langsam einschleichend dosiert. Die tägliche
Höchstdosierung für Metoprolol (z.B. Beloc®) beträgt 200mg, für Propanolol (z.B.
Dociton®) 240mg. Bei Ausbildung nicht tolerierbarer orthostatischer
(= den Kreislauf
betreffende) Störungen oder einer
Bradykardie (= zu
langsamer Puls) muß die Behandlung
abgebrochen werden (ausschleichend). In der Einschleichphase müssen daher
regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die Wirkungsweise
der Beta-Blocker in Bezug auf den migränebedingten Schmerz im Kopf ist noch
nicht sicher bekannt.
Zur Intervalltherapie eines migränebedingten Schmerzes im Kopf eignen sich auch
Kalzium-Antagonisten
(= ein Mittel das der Wirkung von Kalzium entgegenwirkt).
Flunarizin (Sibelium®) sollte aufgrund einer Bewertung durch das
Bundesgesundheitsamt nur bei Patienten eingesetzt werden, die unter häufigen und
schweren Mig räne-Kopf
schmerzanfällen leiden und bei denen eine
Behandlung mit Beta-Blockern kontraindiziert
(= gegenangezeigt)
ist bzw. keine ausreichende Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat sich
Cyclandelat (Natil®) zur Prophylaxe nicht bewährt.
Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) besteht in der Verabreichung von
Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem Gewebshormon
Serotonin entgegenwirken).
Pizotifen (Sandomigran®) hat einen hemmenden
Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im Anfangsstadium der Mig
räne. Lisurid (Cuvalit®), ein Ergotaminderivat, ist ein Serotonin
-Partialantagonist. Die Tagesdosis beträgt 0,075 mg. Im Gegensatz zu anderen
Autoren (Soyka 1989) wird diese Substanz bei uns kaum verwendet, da
bisherige Therapieversuche nicht überzeugt haben.
Zur Prophylaxe des Schmerzes im Kopf bei der sog. menstruellen
(= regelbedingten)
Mig räne
soll Sulpirid (Dogmatil®) hilfreich sein (Thoden 1986). Göbel und
Soyka (1994) empfehlen eine "Kurzzeitprophylaxe" mit 250-500 mg Naproxen,
vier Tage vor der erwarteten Regel bis drei Tage danach.
Das Derivat der Lysergsäure, Dihydroergotamin (Hydergin®) ist zur Vorbeugung des
Mig
ränekopf
schmerzes umstritten. So wird es z.B. in anglo-amerikanischen Ländern
dafür nicht verwendet.
Zur Mig
ränevorbeugung soll auch das Antiepileptikum
(= Mittel gegen die
Fallsucht) Gabapentin (Neurontin®)
eingesetzt werden können.
Wenn die Anfälle gehäuft (z.B. mehrmals pro
Woche) auftreten und andere vorbeugende Medikamente (z.B. Beta-Blocker) nicht
greifen, ist nach unserer Erfahrung beim migränebedingten Schmerz im Kopf auch
die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel) lohnend, besonders
wenn sie über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x täglich konsequent
durchgeführt wird (Leese r et He
fermann, Sch
merzklinik Bad Me
rgentheim 1990).
Dabei betäuben wir, wie zur Akutbehandlung schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel) versorgenden Nerven an ihren Austrittspunkten. Ergänzt wird die
Behandlung durch tiefe Infiltration der oft verspannten, an die Halswirbelsäule
angrenzenden Muskulatur.
Die Wirkungsweise dieser Therapie ist nicht geklärt, vermutlich kommt es zu
einer tiefgreifenden neurovegetativen Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem neuraltherapeutischen Konzept,
allerdings mit dem Unterschied, daß statt
Procain das langwirkende örtliche Betäubungsmittel
Bupivacain verwendet wird.
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Aktualisiert: 04.12.2006
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Kopfschmerz,
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Venenschmerz (www.venen-schmerz.de),
Venenentzündung (www.venenentzuendung.org),
venöse
Durchblutungsstörungen,
Verschlußkrankheiten,
vertebragener Schmerz,
Vertebralsyndrome,
Virale Arthritis,
Viszeraler Schmerz,
Visceraler Schmerz, Vorfußschmerzen,
Vulvodynie,
W
Wadenschmerz,
Wangenschmerzen,
Weichteilrheuma,
Weichteilrheuma,
chronischer
Weichteilschmerz,
Wirbelsäulenerkrankung (www.wirbelsaeulenerkrankung.com),
Wirbelsäulenschmerz,
Wirbelsäulensyndrome,
Wirbelsäulenverkrümmung,
WS-Schmerz,
Wurzelentzündungen,
Wurzelkompressionssyndrom,
Wurzelneuritis,
Wurzelreizsyndrome,
Wurzelsyndrome,
Z
Zahnschmerz,
Zeckenstich (www.zeckenstich.com),
Zeckeninfektionen,
zentraler Schmerz,
Zeckenkrankheiten (http://www.zeckenkrankheiten.net),
Zungenschmerz
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